Eindrücke über die Vergänglichkeit und die Anforderungen beim Höhenbergsteigen von der Broad Peak Expedition 2013. 

Von Roland Moltinger

Nach den dreiwöchigen Vorbereitungen zum Aufbau der Hochlager, starteten wir am 04.07 vom Lager 3 aus zum Gipfel.

In einem Felskamin unterhalb des Vorgipfels hing ein Bergsteiger am Fixseil im Kamin. Er war tot.    

Alle mussten im Auf- und Abstieg an dem Toten vorbei. Es gibt dort keine Möglichkeit einen anderen Weg zu nehmen. Man hat in diesen Höhen, aus körperlicher Sicht, auch keine Möglichkeit den Toten zu bergen und nach unten zu bringen. 

Wie wir später erfuhren, hatten am 5 März 2013 vier Polen erstmals den Gipfel des Broad Peak im Winter bestiegen. Adam Bielecki, Tomasz Kowalski, Artur Malek und Maciej Berbeka. Beim Abstieg sind Berbeka und Kowalski gestorben. 

Wer von den beiden tot im Fixseil hing wissen wir nicht. Der zweite Pole wurde bis heute nicht gefunden.

Von unserer Expedition erreichte Sepp als einziger den Hauptgipfel. Paul, Josef, Alexander, Robert und Harry erreichten den Vorgipfel.  

Sepp berichtete, dass das Fixseil im Kamin mit einem Knoten verlängert wurde und der Tote oberhalb des Knotens im Hymer Bügel hing. Dies lässt vermuten, dass der polnische Bergsteiger nicht mehr die Kraft hatte das Seil zu entlasten, den Bügel auszuhängen um diesen unterhalb des Knotens wieder einhängen zu können. 

Recherchen  haben ergeben, dass am Gipfeltag der Polen hohe Windgeschwindigkeiten herrschten. Die Temperatur war auf minus 37 Grad gesunken!

Das sind alles andere als günstige Bedingungen um im Winter einen der 14 höchsten Berge der Welt zu besteigen.

Maciej Berbeka – vielleicht war er der tote Bergsteiger im Kamin? Jedenfalls ein ziemlich erfahrener Mann wie ich erfuhr. Hatte er doch zuvor schon im Winter den 8163 Meter hohen Manaslu und den 8201 hohen Cho Oyu bestiegen. Im Sommer bestieg er auch den Mount Everest und den 8091 Meter hohen Annapurna. Ich ziehe den Hut vor seinen Leistungen…. Gedanken die mir immer wieder kommen…

 Für mich war die Expedition zum Broad Peak ein einmaliges Erlebnis mit unzähligen Eindrücken und Vorfällen, welche mir mit Sicherheit ewig in Erinnerung bleiben werden. Persönlich möchte ich jedoch noch Folgendes festhalten. Diese Bergriesen, im speziellen der 8611 Meter hohe K2 welcher in unmittelbarer Nähe des Broad Peak steht, zu sehen und zu spüren machte mich enorm ehrfürchtig!

Auch wenn für viele eine Besteigung eines 8000ers angeblich nur eine Frage des Geldes ist, behaupte ich das Gegenteil. 

Eine Besteigung ohne Sauerstoff, ohne Vorpräparierung des Anstieges und ohne Hochträger gehört auch heute noch zu einer absoluten Spitzenleistung! 

Den kommerziellen 8000er Tourismus, wie er am Everest praktiziert wird, lehne ich strikt ab! Was dabei heraus kommt sieht man derzeit wieder bei den Warteschlangen und den Toten zum Gipfel des Mount Everest. Über Leichen steigt man wohl auf jedem 8000er…

Roland Moltinger