Ein Ziel, das ich schon jahrelang in Gedanken verfolgte …

Im Juli 2019 war es dann soweit. Mein Bergkamerad Leo und ich machten uns für einen Monat auf nach China zu unserem Ziel, dem Mustagh Ata. Alle Hausaufgaben waren gemacht, viele Vorbereitungen erledigt: Konditionsschliff, Akklimatisations-Nächte am Zittelhaus und der auf der Oberwalderhütte, sowie Verpacken von Ausrüstung, Verpflegung, Zelten, Schitouren-Ausrüstung, Seilen, usw.

Von Kirgistan nach China

Mit dem Flugzeug nach Bishkek, der Hauptstadt von Kirgistan. Danach ging es mit dem Bus 950 km weiter nach China, zum Ausgangspunkt Shubash. Von dort marschierten wir ins Basislager auf 4500 m.

Nachdem wir uns dort häuslich eingerichtet hatten, erfolgten einige Materialtransporte ins Lager 1 auf 5500 m und ins Lager 2 auf 6200 m. Das Auf und Ab zu den Lagern mit diesen großen Lasten war enorm anstrengend aber dafür wurden wir mit gutem Wetter belohnt. Nachdem wir die Lagerkette fertig aufgebaut hatten und noch dazu einen vielversprechenden Wetterbericht für die Gipfeltage im Gepäck hatten, starteten wir voll motiviert unserem Ziel entgegen.

Der gefährlichste Abschnitt

Wir bezogen unsere Zelte im Lager 1 und darauffolgend im Lager 2. Dieser Abschnitt ist der gefährlichste, es geht durch einen Eisbruch mit vielen tiefen Spalten. Nach Erreichen von Lager 3 auf 6800 m, bereiteten wir uns auf den Gipfeltag vor. Der Ausblick ins Karakorumgebirge mit K2 und Broad Peak war grandios. Gezielte Flüssigkeitszufuhr ist sehr wichtig und so startete der Tag mit viel Teezubereitung. Nach einer unruhigen Nacht ging es also um 9 Uhr bei wolkenlosem Himmel Richtung Gipfel. Der späte Start hat sich sehr bewährt, da es vor Sonnenaufgang empfindlich kalt war und somit der Energieverlust beträchtlich gewesen wäre.

Wettersturz auf 7300 Meter …

Nach stundenlangem Marsch auf 7300 m wechselte plötzlich das Wetter und es zog ein Gewitter auf. Elektrisch geladene Luft, Donner und Schneefall! Wir legten uns verängstigt in den Schnee und hofften auf Wetterberuhigung. Gott sei Dank, nach einer halben Stunde und bei 15 cm Neuschnee, konnten wir unseren Gipfelgang fortsetzen.

Der Gipfel der Erleichterung

Nach insgesamt 9 Stunden kräfteraubender Aufstiegszeit kamen wir sehr mitgenommen am Gipfel des Mustagh Ata an. Aufgrund der völligen Erschöpfung kam komischerweise wenig Freude auf. Ich konnte nur noch eine enorme Erleichterung wahrnehmen. Auch die Abfahrt ins ersehnte Lager 3 mit Neuschnee und Nebel war nun sehr abenteuerlich für uns. Zur Dämmerung erreichten wir endlich das ersehnte Zelt und krochen in die wärmenden Schlafsäcke. Nochmals eine Nacht auf 6800 m. Am nächsten Tag wurden alle Zelte abgebaut und ins Basislager abgefahren.

Endlich kam auch die Freude dazu

Im Lager 1 deponierten wir noch Ausrüstung, die wir nicht mehr tragen konnten. Diese holten wir zwei Tage später ab. Danach wurde ausgelassen mit chinesischem Bier gefeiert. Tage später traten wir mit zufriedenen Gesichtern den Rückmarsch an. Der Gedanke an eine Dusche lockte uns zurück in die Zivilisation …

Erich